Coca-Cola macht jetzt auf gesund

Quelle: Welt, 18. September 2007

Fruchtige Getränke wie Bionade und Smoothies erobern Deutschland. Nun will auch Coca-Cola mitmischen – und bringt eine neue Marke namens Fruitopia auf den Markt. Die Deutschlandchefin von Coca-Cola, Beatrice Guillaume-Grabisch erklärt die Wellness-Offensive.

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WELT ONLINE: Coca-Cola bringt einen Fruchtsaft mit gesundheitsfördernden Zusatzbestandteilen auf den Markt. Wollen Sie von Ihrem Zuckerlimo-Image ablenken?
Beatrice Guillaume-Grabisch: Wir sind mit unserem Image als Deutschlands größter Anbieter alkoholfreier Getränke sehr zufrieden. Und was unser neues Produkt Fruitopia by Minute Maid betrifft: Wir haben – natürlich – Marktforschung betrieben und dadurch festgestellt, dass der Konsument neben natürlichen Fruchtsäften gerade auch Fruchtsaftgetränke mit Zusatznutzen – etwa mit Phyto-Nährstoffen oder als Frühstücksergänzung für unterwegs – wünscht. Genau diese Produkte bieten wir ab sofort an.

WELT ONLINE: Und Sie glauben, die Kundschaft kauft Coca-Cola den Wandel zum Gesundheitskonzern ab?
Guillaume-Grabisch: Wir wollen dem Konsumenten die Produkte bieten, nach denen er verlangt. Im Übrigen ist Saft für Coca-Cola ja alles andere als ein neues Segment. Wir sind weltweit längst der größte Anbieter von Fruchtsäften und Fruchtsaftgetränken sowie Ready-to-Drink-Tees. Zudem sind wir die Nummer Drei bei Wasser. Aber zugegeben: In Deutschland steht Coca-Cola nach wie vor allem für unsere klassischen Softdrinks.

WELT ONLINE: Wird sich das ändern?
Guillaume-Grabisch: Wir haben bereits die Werbeaktivitäten für unsere Wassermarken verstärkt und werden nun den Start von Fruitopia mit umfangreichen Maßnahmen begleiten. Dies geht jedoch nicht zu Lasten der Etats für unsere Softdrinks.

WELT ONLINE: Wie viel Fruitopia wollen Sie im ersten Jahr verkaufen?
Guillaume-Grabisch: Sehen Sie es mir nach, wenn wir Planzahlen nicht öffentlich machen. Nur so viel: Das deutsche Saftsegment mit seinen mehr als 500 Marken ist ausgesprochen zersplittert. Dies gilt jedoch nur beschränkt für das Außer-Haus-Segment, in dem wir großes Wachstumspotenzial sehen und daher mit Fruitopia starten. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen werden.

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WELT ONLINE: …die Sie uns nicht verraten.
Guillaume-Grabisch: So ist es. Ich möchte die anderen Marktteilnehmer nicht übervorteilen.

WELT ONLINE: Was bewirken eigentlich die Zusatzstoffe in Ihrem Saft?
Guillaume-Grabisch: Fruitopia bietet die Möglichkeit, mit pflanzlichen Nährstoffen zu einer ausgewogenen Ernährung beizutragen. So gibt es etwa ein Produkt mit prebiotischen Ballaststoffen, die sich positiv auf die Darmflora auswirken können, oder eines mit Antioxidantien, die freie Radikale neutralisieren können.

WELT ONLINE: Und das ist selbstverständlich wissenschaftlich bewiesen.
Guillaume-Grabisch: Ja.

WELT ONLINE: Bedeutet Zusatz-Nutzen für den Konsumenten gleichzeitig Zusatz-Rendite für Coca-Cola?
Guillaume-Grabisch: Wir bewegen uns in einem sehr wettbewerbsintensiven Markt. Aber ja, natürlich: Wir kalkulieren mit einer guten Rendite.

WELT ONLINE: Macht Ihnen der Erfolg der Öko-Limo Bionade Angst?
Guillaume-Grabisch: Nein. Wir beobachten zwar den Erfolg von Bionade, die ja auch von der Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG mit vertrieben wird, sehr genau. Aber wir überschneiden uns allenfalls bei einem Teil der relevanten Zielgruppen.

WELT ONLINE: Sind Gesundheitsgetränke eine Mode oder bleibt die Nachfrage dauerhaft auf hohem Niveau?
Guillaume-Grabisch: Ich glaube, dass der Wellnesstrend weltweit langfristig Bestand haben wird. Man kann ihn auch in anderen Produktbereichen, etwa in der Kosmetik, erkennen. Der Konsument ist heute bereit, auch mehr Geld für Produkte auszugeben, mit denen er etwas für seine Gesundheit und für sein Wohlbefinden tun kann.

WELT ONLINE: Sie haben vergangenes Jahr die Wassermarke Apollinaris übernommen und wollen langfristig Marktführer werden. Noch sind Sie aber kaum in den Top Ten. Wie lange dauert’s noch?
Guillaume-Grabisch: Abgesehen davon, dass Apollinaris im Lebensmitteleinzelhandel unter den Top Ten steht und in der Gastronomie gar zu den großen Drei zählt: Mit dem Launch des stillen Mineralwassers Vio, einer neuen Kampagne und weiteren Maßnahmen haben wir in diesem Jahr erste wichtige Schritte auf dem Weg zur Revitalisierung dieser großen Marke gemacht. Gemeinsam mit unseren weiteren Wässern wollen wir langfristig die Nummer Eins auf dem deutschen Markt werden. Wir sehen hier große Wachstumschancen bei stillen Wässern, bei solchen mit Geschmack und jenen mit Zusatznutzen.

WELT ONLINE: Sie haben kein Kaffee-Produkt mehr auf dem deutschen Markt, seit Sie die Kooperation mit Nestlé beendet haben.
Guillaume-Grabisch: Dieser Zustand muss ja nicht in Stein gemeißelt sein.

WELT ONLINE: Wie entwickeln sich eigentlich Cokes kleine Schwestern Fanta, Sprite und Mezzo Mix?
Guillaume-Grabisch: Sie wachsen und gedeihen. Die Einführung von Zero-Varianten hat allen drei Marken einen weiteren Schub gegeben.

WELT ONLINE: Coke Zero, also das Produkt ohne Zucker, verkauft sich exzellent. Hatten Sie damit gerechnet?
Guillaume-Grabisch: Man darf nicht vergessen, dass Coke Zero nach dem Start von Coke Light in Deutschland 1983 die bislang wichtigste Produkteinführung der vergangenen beiden Jahrzehnte war. Entsprechend hoch waren die Erwartungen. Und selbst diese wurden übertroffen. Der Absatz von Coke Zero besteht lediglich zu einem Drittel aus Kannibalisierungseffekten mit anderen unserer Marken. Zwei Drittel sind reines Neugeschäft. Das ist ein hervorragender Wert.

WELT ONLINE: Man hört, Light und Zero seien eigentlich weitgehend dasselbe Getränk und nur mit ein paar Geschmacksänderungen auf Frauen-, bzw. Männer-Getränk getrimmt.
Guillaume-Grabisch: Es ist zutreffend, dass Light überwiegend von Frauen bevorzugt wird und wir daher ein neues Produkt auf den Markt bringen wollten, das eher Männer anspricht. Zero tut das. Mit großem Erfolg. Dabei sind Light und Zero eigenständige Produkte mit unterschiedlicher Positionierung.

WELT ONLINE: Ganz unterschiedlich?
Guillaume-Grabisch: Aber ja doch.

WELT ONLINE: Was ist denn Ihre Lieblings-Coke?
Guillaume-Grabisch: Ich bin Light treu geblieben.

WELT ONLINE: Wie oft trinken Sie die eigenen Produkte?
Guillaume-Grabisch: Den ganzen Tag über. Morgens neuerdings Fruitopia, danach Coke Light und dann viel Wasser. Nachmittags, wenn ich neuen Schwung brauche, gerne wieder eine Light und abends…

WELT ONLINE: … endlich mal Rotwein?
Guillaume-Grabisch: Bisweilen ja. Aber ich muss Sie enttäuschen: Gerne trinke ich abends auch unseren Nestea.

WELT ONLINE: Sind Sie laut Arbeitsvertrag dazu verpflichtet?
Guillaume-Grabisch: Nein. Diese Getränke mochte ich schon, als ich noch nicht für Coca-Cola gearbeitet habe.

WELT ONLINE: Haben Sie schon mal Vita Cola getrunken.
Guillaume-Grabisch: Na klar. Aber bei allem gebührenden Respekt vor unserem Mitbewerber: Es gab keinen geschmacklichen Anlass, Coca-Cola untreu zu werden.

WELT ONLINE: Wurmt es Sie, dass Vita Cola in Ostdeutschland vor Ihnen Marktführer ist?
Guillaume-Grabisch: Segmentführer in Ostdeutschland ist Coca-Cola. Und dies deutlich vor Vita Cola. Deren Erfolg ist Ausdruck eines Konsumentenverhaltens, das wir in Ostdeutschland vielfach beobachten können. Nehmen Sie beispielsweise die Kosmetik: Florena hat in den neuen Bundesländern hohe Marktanteile. Dennoch: Wir werden unsere Anstrengungen auf diesen Märkten intensiveren.

WELT ONLINE: Es wurmt Sie!
Guillaume-Grabisch: Irrtum. Ich sehe den Wettbewerb um den Verbraucher als sportliche Herausforderung. Und ich mag Herausforderungen.

WELT ONLINE: Dieser Sommer war nicht gerade Getränkehersteller-freundlich. Hat er Ihnen die Bilanz verregnet?
Guillaume-Grabisch: Der gesamte Bereich der alkoholfreien Getränke in Deutschland verzeichnete im Juli ein Minus von 23 Prozent.

WELT ONLINE: Und Sie?
Guillaume-Grabisch: So viel kann ich sagen: Wir waren besser als der Markt und haben dadurch im Juli Marktanteile gewonnen.

WELT ONLINE: Sie haben zuletzt Schlagzeilen gemacht, weil Sie angeblich Werbeplakate an Hamburger Schulen aufhängen wollten. Jetzt soll es doch keine „Coca-Cola Gymnasien“ geben. Was war da los?
Guillaume-Grabisch: Das fragen wir uns auch. In Hamburg hat man wohl einen griffigen Begriff für die politische Diskussion über Werbung an Schulen gesucht. Eine „Coca-Cola Schule“ stand jedoch nie zur Diskussion. Wie denn auch? Wir haben uns schon vor rund zwei Jahren dazu verpflichtet, keine Werbung an Schulen zu machen. Daran halten wir uns selbstverständlich. Wir haben sogar bis zu den Sommerferien das traditionelle Branding unserer Getränkeautomaten an Schulen durch ein neutrales Design ersetzt.

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