Die Tabak-Lobby

Quelle: FTD Financial Times Deutschland, 18. Oktober 2007

2008 wird die öffentliche Zigarette zum seltenen Genuss: Die meisten Kneipen sind dann qualmfrei. Nun öffnen zum stilvollen Inhalieren die ersten Raucherklubs.

„Jeder, der qualmt“, sagt Rainer Hollstein, wenn er die Zielgruppe seines Raucherklubs beschreiben soll. In ein paar Wochen wird „Porky’s Smokers‘ Club“ in der Düsseldorfer Innenstadt eröffnet. Und Hollstein rechnet mit einer Klientel, die sich zusammensetzt aus Topmanagern und den Toten Hosen. „Am Mittag werden wir da eine Lounge haben, am Abend eher After-Work-Atmosphäre, und nach 24 Uhr kommen dann Studenten, Kellner, Dealer und Polizisten“, sagt er. Wie sich das Ganze dann entwickeln werde, müsse man sehen. Doch was er jetzt schon weiß: Es soll keine verrauchte Höhle mit nikotingelber Tapete werden, sondern eine gepflegte Erscheinung. Die erste Voraussetzung für einen gut funktionierenden Raucherklub ist bereits eingebaut: eine Klimaanlage.

In einer Zeit, in der die Raucher gesetzlich in die Ecke gedrängt werden, muss man zusammenhalten. 2008 wird in den meisten Bundesländern das Rauchen in Restaurants und Kneipen verboten sein. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: sich für die Zigarette wenig glamourös auf den Bürgersteig stellen, sich in die mit „R“ markierten Raucherräume der Gastronomie drängeln oder alle Freunde zum Rauchen nach Hause einladen, um dann im zurückgelassenen Qualm schlafen zu gehen.

Viel besser wäre es, eine Institution zu schaffen, die zur Abwechslung einmal die Raucher schützt. Einen Raucherklub, in dem sich niemand über Rauch, Asche und Zigarettenwerbung beschwert, sondern über zu wenig Aschenbecher. Die Anfragen, solch einen Klub zu gründen, häufen sich beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Aber wie sieht ein idealer Raucherklub eigentlich aus? Das geistige Auge entwirft sofort das Bild eines britischen Herrenklubs, mit ausladenden Sesseln und Männern in dreiteiligen Anzügen, Taschenuhren, einer dicken Zigarre oder kurzen Filterlosen in der Hand. Das mag ein Anfang sein, doch ein moderner Klub braucht viel mehr. Angefangen bei fachgerechter Lagerung des Tabaks bis hin zu stylischen Aschenbechern – und das alles in charmanter Atmosphäre und ohne schlechtes Gewissen.

Wenige Erfahrungen aus anderen Ländern

Erfahrungen aus anderen Ländern gibt es übrigens wenige, weil jedes Land unterschiedliche Nichtrauchergesetze hat und überall eine andere Rauchkultur herrscht. Bisher sind in Österreich, der Schweiz oder selbst in Italien und England nur wenige auf die Idee gekommen, das Rauchen wieder als genießerischen Akt zu etablieren. Dabei ist doch ein Raucherklub das stilvollste Mittel, um mit den neuen Gesetzen umzugehen. In den USA sind Raucherklubs elitäre Forts des blauen Dunsts, wie der Carnegie Club in New Yorks 56. Straße. Nicht einfach, da hineinzukommen. Und zumindest von außen werden wohl auch deutsche Klubs genauso aussehen wie die amerikanischen: anonym und ein bisschen geheimnisvoll – weil der Klub nicht zum Eintreten einladen darf. Die Tür öffnet sich nur, wenn sie von innen aufgetan wird.

Am Abend, beim entspannenden After-Work-Smoke, wird der Feierabend angezündet. Im Lounge-Ambiente stehen für Zigarrenraucher dicke Aschenbecher auf den Tischen. Am besten ein „Ambassador“ von Carl Mertens. Zigarettenraucher, die sich beim Pils an der Bar eine anstecken, könnten auf die Aschenbecher von Rosendahl zurückgreifen. Er hat die Form eines Donuts und verschluckt in seiner Mitte die Asche wie Puderzucker. Die sind für jedes Klubmitglied optisch ansprechend, egal ob mit Nadelstreifen oder Sicherheitsnadeln am Körper.

Auch eine Lounge mit britischem Flair würde sich gut machen. Dazu gehört zum Beispiel ein Billardtisch, den Rainer Hollstein für das „Porky’s“ auch schon fest eingeplant hat. Die Lounge, als Konsens für guten Ausgehgeschmack, ist angesagt. Und auch für Raucher gibt es viele Accessoires, die sich diesem Stil anpassen.

Rauchen ist wieder etwas Besonderes

So ist das Feuerzeug für einen stilbewussten Raucher nicht zum Wegwerfen designt, sondern ein wohlgeformter Handschmeichler. Auch in einem Raucherklub sollten die Feuerspender etwas Besonderes sein. So könnten Tischfeuerzeuge wieder größeren Zuspruch erfahren. Im zeitgemäßen Design gibt das „Crystal“-Tischfeuerzeug von Philippi Flamme. Das Teil aus verchromtem Blei und Kristallglas ist viereckig schlicht, aber irgendwie sieht man ihm an, dass es aus gutem Haus kommt – und deshalb sollte er auch in guten Häusern stehen. Für Tabakzündung im kleineren Format bietet sich das „Bugatti 2“ an, das man in einem guten Raucherklub erwarten kann.

Und wenn Sie nach Hause gehen, bleibt Ihr Tabak jetzt im Klub. Aber auch er sollte sich ausruhen können. Wasserkissen sind die eleganteste Lösung. Sie halten die Luft in ihrer unmittelbaren Umgebung frisch und feucht, so wie es die Zigaretten mögen. Man könnte auch während des Barbetriebs die Zigarretten zwischen die Kissen stecken, dann haben die Besucher frischen Nachschub und müssen nicht zum Automaten laufen. In jedem Fall wird eine Atmosphäre entstehen, die sich von all jenen Etablissements, die sich bisher Klubs nennen, abhebt. Die neuen Raucherklubs werden Ausgelassenheit ausstrahlen, und das Gesetz bekommt, was es will: Rauchen ist wieder etwas Besonderes.

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