Neue Hotels in allen Preislagen

Quelle: FAZ, 01. November 2007

Dass Märkte disparat erscheinen, ist nicht ungewöhnlich und wahrscheinlich noch nicht einmal schlecht. Auf dem Hotelsektor tragen zwei Dinge dazu bei, das Geschäft für alle, die nicht daran beteiligt sind, verwirrend erscheinen zu lassen. Da ist einerseits die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren fast jeder Betreiber vor allem von Luxusmarken dazu übergegangen ist, die Zimmerpreise mit den Mechanismen des „revenue management“ zu bestimmen, also: sie tagesaktuell zu kalkulieren, was für den Gast bedeutet, dass er umso günstiger wohnt, je geringer die Nachfrage gerade ist. Auf der anderen Seite folgt auch die Hotelbranche dem Grundsatz, dass es keine Bewegung ohne Gegenbewegung gebe.

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Günstige Hotelzimmer keine „Gefängniszellen“

Und so haben in jüngerer Vergangenheit zahlreiche Häuser eröffnet, die mit – meistens günstigen – Fixpreisen werben. Die Ibis-Kette, aber auch die überaus erfolgreichen „Motel One“-Betriebe, in denen es sich zu Preisen von 49 Euro an übernachten lässt, sind Beispiele dafür. Anders als noch vor zehn, 15 Jahren haben die Zimmer in solchen Häusern heute nicht mehr den Charme von Gefängniszellen, sondern sind durchaus ansprechend möbliert. Das geht so weit, dass die Eigner auch dann von „Designhotels“ sprechen, wenn die Einrichtung bei genauer Betrachtung nicht viel mehr als der Ausdruck Massengeschmack gewordener vormaliger Avantgarde ist. Den Gegenpol zu solchen Hotels wiederum bilden jene, die sich entweder in dem exklusiv gehaltenen Vermarktungsverbund „Designhotels“ zusammengeschlossen haben oder auf eigene Faust ihr Konzept verkaufen: indivduell eingerichtete Häuser mit gutem Service, die nach herkömmlichem Verständnis im Vier- bis Fünf-Sterne-Feld angesiedelt sind, aber keinen Wert auf diese Klassifizierung durch den deutschen Hotelverband legen. Das im vergangenen Jahr eröffnete „Goldman 25 hours“ an der Hanauer Landstraße in Frankfurt gehört zu ihnen, auch das Hotel Gerbermühle von Micky Rosen und Alex Urseanu, die als Betreiber des „Pure“ im Frankfurter Bahnhofsviertel bekannt geworden sind.

Frankfurt: Brennpunkt der Hotelentwicklung

Mit vielen Farben gemalt ist auch das Bild, das die neuen und in Planung befindlichen Hotels bieten. Gerade erst fünf Tage alt ist das Motel One im Lilien-Carré in Wiesbaden. Das 18. Haus der 1999 gegründeten, in München ansässigen Kette hat 185 Zimmer und das übliche, auf junge Geschäftsreisende mit schmalem Budget zugeschnittene Profil – wenige Mitarbeiter, das hält die Kosten flach, aber Klimaanlage und Flachbildschirme in den Zimmern und kabelloser Internetzugang rund um die Uhr.

Brennpunkt der Hotelentwicklung im Rhein-Main-Gebiet in den nächsten Jahren wird einmal mehr Frankfurt sein. Laut einer Studie der Marktforschungsgruppe CHD Expert entstehen in Deutschland 179 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels mit fast 37 000 Zimmern bis 2013; allein in Frankfurt seien zwölf Projekte in der Pipeline. Zu den eher kleinen unter ihnen zählt das „Roomers“ von Rosen und Urseanu, das im Herbst nächsten Jahres an der Gutleutstraße eröffnet werden soll. Luxuriös, dabei unkonventionell eingerichtet werde das Haus sein, sagen die Initiatoren. Dass für Teile des Innen-Designs das Büro verpflichtet werden soll, das den „Cocoon Club“ gestaltete („3deluxe“ in Wiesbaden), spricht dafür. Bis zu vier neue Hotels will in naher Zukunft die spanische Hotelgruppe NH Hoteles in Frankfurt eröffnen, teilt deren Deutschland-Repräsentanz mit. Eines davon soll 2009 im ehemaligen Dresdner-Bank-Gebäude an der Bleichstraße seine ersten Gäste beherbergen.

Von preiswert bis luxuriös

Ganz in der Nähe lässt der Frankfurter Immobilienentwickler und Inhaber der Hotel-Betriebsgesellschaft HMG, Ignaz-Blodinger, gerade das alte Bayer-Haus zu einem gehobenen Hotel seiner Vier-Sterne-Eigenmarke „Fleming’s“ umbauen. Noch keinen Betreiber hat das geplante Hotel im Zeil-Projekt „Frankfurt Hoch Vier“, und ob an einem Hotel an der Alten Oper jemals das Schild „Mandarin Oriental“ steht oder am Schluss nicht doch ein anderes, vermag in der Branche zurzeit niemand zu sagen.

Fest steht hingegen, dass für das geplante 34.000-Quadratmeter-Hotel im Airrail-Center am Flughafen die Intercontinental-Gruppe fest gebucht ist und an der Rennbahn in Niederrad die chinesische Huarong-Group den Bau eines Vier-Sterne-Hauses verantworten soll; schon weit fortgeschritten sind die Arbeiten am Hotel Oberforsthaus im Stadtwald. Für 2008 steht unter anderem der Umbau des Frankfurter Gesundheitsamtes zu einer Herberge und die Eröffnung eines weiteren „25 hours“ und damit eines Hotels im Mittelpreissegment auf dem Plan. Alles dabei also bei den neuen Häusern, von preiswert bis luxuriös, von ausgefallen bis Standard. „Ein Trend ist zurzeit schwer zu erkennen; der Markt ist dabei, sich neu zu sortieren“, sagt die Frankfurter Hotelberaterin Bianca Spalteholz.

Kettenhotellerie in Frankfurt nur verhalten gewachsen

Während privat geführte Betriebe ihren eigenen Kampf ausfechten, sind die Ketten einander in Konkurrenz besonders fest verbunden, im Guten und Schlechten. „Die Kettenhotellerie in Frankfurt hat im vergangenen Jahr zwar Wachstum verzeichnet, im Vergleich zum gesamtdeutschen Markt jedoch verhaltenes.“ So stand es unlängst in der „Allgemeinen Hotel- und Gastronomiezeitung“, und auch, dass der Erlös je Zimmer 2006 um 5,3 Prozent auf 65,30 Euro gestiegen sei, während die Hotels bundesweit zweistellig zugelegt hätten. Ein Grund war auch angegeben, der- selbe wie oft: „Das geringe Wachstum liegt in erster Linie an den zahlreichen Neueröffnungen, die den Markt prägen.“ Glücklich, wer da viele Marken unter seinem Dach hat.

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