Der türkische Markt für Bioprodukte wächst

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Regionale Förderung für ökologischen Anbau / Von Marcus Knupp

Mit den Methoden ökologischer Landwirtschaft hergestellte Produkte gewinnen auch in der Türkei langsam an Boden. Zwar behindern bürokratische Genehmigungsverfahren und eine bislang fehlende einheitliche Kennzeichnung noch den Marktzugang und die Markttransparenz. Wachsendes Bewusstsein zumindest bei den großstädtischen Kunden führt aber dennoch zu einer schrittweisen Ausweitung des Angebots von Bioprodukten. Weiter entwickelt ist die exportorientierte organische Landwirtschaft. (Kontaktanschriften)

Auf einer Konferenz zum Thema Bioprodukte, die im Januar 2008 in Izmir stattfand, definierten Vertreter der Branche Zielwerte für das Jahr 2012. Demnach soll der Anteil der nach den Regeln des organischen Landbaus bewirtschafteten Flächen in der Türkei von derzeit 0,8% auf 3% steigen. Für die Inlandsnachfrage erhoffen sich die Konferenzteilnehmer ein Anwachsen von aktuell lediglich 5 Mio. US$ auf mindestens das Zehnfache.

Viel wichtiger ist für die Branche jedoch der Export. Ausgehend von etwa 150 Mio. US$ sollen die Ausfuhren von Bioprodukten bis 2012 ein Volumen von 1 Mrd. US$ erreichen. In den zehn Jahren zwischen 1996 und 2006 ist die Zahl der Biobauern in der Türkei von 1.947 auf 14.256 gestiegen. Die von ihnen bebaute landwirtschaftliche Nutzfläche hat im selben Zeitraum um das 28-fache auf 192.789 ha zugenommen, die Erntemenge von etwa 10.000 t auf 458.000 t.

Mit Unterstützung der Stadtverwaltung Izmir beginnt 2008 eine auf zwei Jahre angelegte Pilotphase zur Förderung ökologischer Landwirtschaft im Umland der Ägäisstadt. An dem gemeinsam mit der Provinzdirektion für Landwirtschaft, der Ägäisuniversität und Verband für ökologische Landwirtschaft (Ekolojik Tarim Organizasyonu Dernegi, ETO) entwickelten Programm nehmen in 32 Gemeinden insgesamt rund 500 Produzenten teil. Auf etwa 10.000 Dönüm (9.200 ha) bauen sie Weintrauben, Oliven, sowie verschiedene Obst- und Gemüsesorten an.

Nach erfolgreicher Umstellung der Anbaumethoden sollen nach zwei Jahren die ersten Zertifikate für ökologischen Landbau vergeben werden. Die wichtigsten Absatzmärkte liegen in den Großstädten wie Izmir, Istanbul, Bursa oder Ankara, wo mittlerweile etliche besser sortierte Supermärkte über Regale mit Bioprodukten verfügen. Zwar müsse man die Produkte etwas teurer anbieten als konventionell angebaute Ware, da sie aber besser schmeckten als jene, erwarten die am Programm teilnehmenden Landwirte keine Absatzprobleme.

Auch immer mehr große Hersteller nehmen entsprechende Produkte in ihr Programm auf. Die Yasar Holding beispielsweise bietet seit Jahresbeginn 2008 unter der Markte Pinar eine „organik“ Milch an. Der Konkurrent Dogan Organik will noch in diesem Jahr mit einem entsprechenden Produkt folgen. Eine erste Bio-Baby-Nahrung hat die Ülker-Gruppe unter der Marke Hero Baby auf den Markt gebracht. Der Käsehersteller Akgünes Gida startet mit einem ersten in der Türkei produzierten Biokäse unter dem Markennamen Özay Organik.

Auch das im thrakischen Lüleburgaz ansässige Molkereiunternehmen Eray Gida plant, ab 2009 Bio-Ziegenkäse herzustellen. Aus der den EU-Normen (92/46/EEC) entsprechenden Milcherzeugung des 2003 gegründeten Betriebs sollen dazu rund 5 t täglich verwendet werden. Die Umsetzung des Projekts will Eray Gida mit Gründung einer Fachschule für Milchwirtschaft begleiten. Wichtigster Absatzkanal ist die Zusammenarbeit mit der Metro-Gruppe in der Türkei und das Angebot des Bio-Käses in deren Real-Verbrauchermärkten am Bosporus, daneben denkt Eray Gida auch an den Export.

Die Großbäckerei Istanbul Halk Ekmek (IHE), die in ihren drei Fabriken circa 10% des in der türkischen Metropole konsumierten Brotes herstellt, hat in einem 2005 begonnenen Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit 1.500 Ökobauern biologisch hergestelltes Brot in ihr Programm aufgenommen. Sie ist Zeitungsberichten zufolge mit Kunden in Deutschland im Gespräch, Erzeugnisse der am Projekt beteiligten Landwirte dorthin zu exportieren. Das Unternehmen will außerdem die Vermarktung von Bioprodukten in vier „Biobazaren“ in wohlhabenderen Istanbuler Stadtteilen fördern.

Der erste Straßenmarkt, auf dem ausschließlich Bioprodukte angeboten werden, entstand Mitte 2006 im Istanbuler Stadtteil Sisli. Initiatoren waren die Bezirksverwaltung Sisli und der Verband zur Förderung eines ökologischen Lebens Bugday. Auch in anderen Großstädten der Türkei wie Ankara, Bursa, Eskisehir, Samsun und Izmir hat die Nachfrage nach Bio-Produkten deutlich zugenommen, sagt der Projektkoordinator von Bugday, Batur Sehirlioglu. Noch 2008 will der Verband zwei weitere Bio-Märkte in Samsun und in Antalya ins Leben rufen.

Ein Problem ist die noch unzureichende Normung für Bio-Produkte in der Türkei. Mit dem zunehmenden Interesse der Konsumenten an entsprechenden Erzeugnissen hat auch die Zahl der Aufdrucke auf Produkten wie zum Beispiel Yoghurt zugenommen, die die Ware als „natürlich“, „100% natural“ oder ähnlich anpreisen. Ohne verbindlichen Standard zur Kennzeichnung ist für die Kunden schwer zu erkennen, wann es sich tatsächlich um ein ökologisch hergestelltes Produkt handelt. Sehirlioglu hebt daher die Notwendigkeit hervor, das das Landwirtschaftsministerium einschlägige Gesetze und Verordnungen schafft oder erneuert sowie die Verwaltungspraxis entsprechend anpasst.

Der Verwaltungsaufwand und die mit den notwendigen Verfahren verbundene Papierflut schreckt nach Ansicht des Vorsitzenden des Verbandes der ökologischen Produzenten und Industrie (ORGÜDER), Ahmet Tiryakioglu, noch viele Produzenten ab, sich auf dem türkischen Markt zu engagieren. Auch er fordert deutliche Vereinfachungen und weist auf Fördermaßnahmen in anderen Ländern hin.

Die Türkei ist unterdessen zum größten Produzenten organisch angebauter Baumwolle weltweit geworden. In der Ernteperiode 2006/07 konnten nach Angaben der Organisation Organic Exchange mit 23.152 t über 61% mehr geerntet werden als in der voran gegangenen Saison. Der Marktanteil der türkischen Baumwollbauern beträgt in diesem Bereich 40%, gefolgt von Indien mit 32,4% und der VR China mit 7%. Etwa 85% der ökologisch angebauten Fasern werden für die Herstellung von Konfektionskleidung verwendet. Neben speziellen Marken wollen auch große Textilhersteller Kleidung aus Biofasern in ihr Programm aufnehmen. So sollen bis 2010 beziehungsweise 2012 rund 5% der von Firmen wie Nike, Timberland oder Marks&Spencer genutzten Fasern aus Betrieben der organischen Landwirtschaft stammen.

  

Kontaktanschriften: 

Ekolojik Tarim Organizasyonu Dernegi (ETO, Verband der ökologischen Landwirtschaft)
Akdeniz Cad. Akdeniz Ishani 5, Kat: 4, D. 415/9, Pasaport – Izmir
Tel.:             0090 232/446 08-27       ; -32
E-Mail: Internet: www.eto.org.tr

Organik Ürün Üreticileri ve Sanayicileri Dernegi (ORGÜDER, Verband der ökologischen Produzenten und Industrie)
Büyükdere Cad. 64, Somer Apt., Kat: 5, D: 13, Mecidiyeköy – Istanbul
Tel.:             0090 212/347 25-60       ; Fax: -70
E-Mail: Internet: www.orguder.org.tr

Bugday (Verband zur Förderung eines ökologischen Lebens)
Kemankes Cad., Akce Sok. 14, Karaköy – Istanbul
Tel.:             0090 212/252 52-55       ; Fax: -56
E-Mail: Internet: www.bugday.org


Russlands Bierproduktion erstmals über 100 Millionen Hektoliter

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Premium- und in Lizenz hergestellte Sorten gewinnen Marktanteile / Neue Verpackungen und Geschmacksrichtungen gefragt

Die russischen Brauereien bleiben weiter auf Rekordkurs. Erstmals konnten die Bierhersteller im Land 2007 die Produktionsgrenze von 100 Mio. Hektolitern überschreiten. Die Zuwachsraten sind immer noch zweistellig. Die großen Konzerne investieren jetzt vor allem in den Regionen. Allerdings könnte sich das Produktionswachstum in den kommenden Jahren etwas abschwächen. Gründe sind eingeschränkte Werbemöglichkeiten und steigende Rohstoffpreise. (Kontaktanschrift)

Mit einem Volumen von 116 Mio. Hektolitern (hl) Bier legte das russische Brauvolumen 2007 um 16% gegenüber dem Vorjahr zu. Das war der höchste Zuwachs in den vergangenen sieben Jahren. Im Vergleich zum Tiefstand von 1995 hat sich die Bierproduktion in Russland damit mehr als versechsfacht.

Jahr 1991 1995 2000 2005 2006 2007
Menge 32,9 17,6 55,4 89,2 99,8 116,0

Quelle: Union der russischen Bierbrauer

Nach Angaben der Zeitschrift Kompanija sind derzeit rund 300 Brauereien in Russland tätig, die etwa 1.500 Biermarken produzieren. Größter russischer Brauer war auch 2007 wieder der Baltika-Konzern mit einem Marktanteil von 37,6% (1,5 Prozentpunkte mehr als 2006). Dahinter folgten Sun InBev Russia (19,1%), Heineken Russia (12,8%), South African Breweries (SAB Miller, 9,8%), Efes Beverages Group (9,4%) und Otschakowo (3,3%).

Nach Untersuchungen von Business Analytica hatte der russische Biermarkt 2007 ein Wertvolumen von insgesamt 393 Mrd. Rubel (11,2 Mrd. Euro, Jahresdurchschnittskurs 2007: 1 Euro = 35,02 Rubel). Für internationale Bierkonzerne wird das riesige Land immer wichtiger. Efes Breweries International zum Beispiel verkauft bereits 75% seiner Gesamtproduktion in Russland. Die ausländischen Anbieter profitieren von den steigenden Realeinkommen, die wiederum höhere Einzelverkaufspreise für Bier ermöglichen. Dadurch gewinnen Premiummarken und in Lizenz hergestellte ausländische Biersorten immer mehr Marktanteile, während das mittlere Preissegment an Boden verliert. Im 2. Halbjahr 2007 kosteten 0,5 Liter Premiumbier durchschnittlich 23,45 Rubel (0,67 Euro), in Lizenz hergestellte ausländische Biermarken 33,48 Rubel (0,96 Euro) und importiertes Bier 82,21 Rubel (2,35 Euro).

Bei den Verpackungen sind die PET-Flaschen weiter auf dem Vormarsch. Im Jahresverlauf 2007 stieg ihr Anteil um zwei Prozentpunkte auf 47,1% des abgefüllten Biervolumens. Galten sie bisher dem unteren und mittleren Preissegment vorbehalten, verkaufen sich dank gezielter Marketingaktionen inzwischen auch Premiummarken in Kunststoffflaschen.

Im Unterschied zu anderen europäischen Märkten setzen sich 0,33-Liter-Verpackungen in Russland kaum durch. Nach Untersuchungen von Business Analytica liegt ihr Marktanteil derzeit bei unter 2%. Immer populärer werden dagegen große PET-Flaschen mit mehr als zwei Litern Inhalt. Sie konnten in den vergangenen drei Jahren ihren Marktanteil um acht Prozentpunkte steigern.

Verpackungsart 2. Halbjahr 2006 2. Halbjahr 2007
Glasflasche 41,1 38,3
PET-Flasche 45,2 47,1
Aluminiumverpackung (Dose oder Flasche) 13,6 14,6
5-Liter-Fässchen 0,1 0,1

*) Anteil nach Volumen
Quellen: Union der russischen Bierbrauer, Business Analytica

Trotz des stürmischen Wachstums in den letzten Jahren bietet die Bierherstellung in Russland noch Potenzial. Auf den Gerstensaft entfallen erst 22% des Konsums an alkoholischen Getränken im Land, während Spirituosen bei 70% liegen. Mit rund 68 Litern Bier im Jahr beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch in Russland nur halb so viel wie in Deutschland. Auch das HoReCa-Segment (Hotels und Gaststätten) spielt mit einem Anteil von 8% am Gesamtabsatz bislang eine weitaus geringere Rolle als in Westeuropa. Für die nächsten Jahre erwarten Markexperten deshalb weiterhin gute Wachstumschancen für Bierprodukte, wenngleich mit abgeschwächten Zuwachsraten.

Die führenden Brauereigruppen Baltika, Heineken, InBev, Efes und SABMiller werden vor allem in den Regionen weiter in neue Produktionskapazitäten investieren. Einige Großprojekte hat die Investmentgesellschaft Krasnaja swesda ( www.redstar-capital.ru) angekündigt. Bei Stawropol in Südrussland will das Unternehmen für bis zu 100 Mio. Euro eine Brauerei für jährlich 4 Mio. hl alkoholfreies Bier errichten lassen (geplante Inbetriebnahme: Ende 2010). Mitte 2008 sollen darüber hinaus bei Kemerowo in Sibirien die Bauarbeiten für eine ähnlich große Brauerei beginnen.

Marktführer Baltika hat für 2008 Investitionen über 300 Mio. Euro angekündigt (inklusive Marketing und Qualitätsmanagement). Unter anderem sollen am Standort Woronesch die Kapazitäten verdoppelt werden. Der Konzern konnte seine Umsätze 2007 um fast ein Drittel auf 2,25 Mrd. Euro steigern. Das Absatzvolumen kletterte um 19% auf 44,3 Mio. hl. Die Exportlieferungen vergrößerten sich um 23% auf 2 Mio. hl.

Da fast alle großen Hersteller inzwischen auf modernen Anlagen produzieren, spielen Qualitätsunterschiede keine so große Rolle mehr für die Kaufentscheidung wie noch vor einigen Jahren. Der Wettbewerb wird nun vor allem durch neue Geschmacksrichtungen und innovative Verpackungen geführt. Das bietet Herstellern von Verpackungsmaschinen neue Geschäftschancen im russischen Brauereisektor.

Gefahren für das Wachstum der Bierindustrie sieht die Union der russischen Bierbrauer in den steigenden Preisen für wichtige Ausgangsstoffe wie Gerste und Hopfen sowie für einige Verpackungsmaterialien (Aluminium). Außerdem hat Russland die Werbemöglichkeiten für alkoholische Getränke eingeschränkt, was dem Bierkonsum ebenfalls schaden könnte. So darf Bier nur noch nach 22 Uhr im Fernsehen beworben werden. Da gleichzeitig die Preise für TV-Spots deutlich angestiegen sind, habe sich die Markteinführung neuer Geschmacksrichtungen enorm verteuert, beklagen russische Brauereien.

Ende Februar 2008 ist immerhin ein Entwurf für Gesetzesänderungen zur Reklame in Stadien ins russische Parlament eingebracht worden. Bislang ist es Brauereien nicht erlaubt, in Sportstätten für ihre Produkte zu werben. Wegen des bevorstehenden Endspiels der Uefa Champions League in Moskau (21.5.08) sind aber Änderungen am „Gesetz über die Reklame“ nötig, da der Hauptsponsor des Finales ein internationaler Bierkonzern ist. Die Staatsduma soll nun auf Initiative einiger Abgeordneter das Bierwerbeverbot in Stadien aufheben, um so dem einheimischen Sport generell mehr Sponsoreneinnahmen zu ermöglichen.

  

Kontaktanschrift

Sojus rossijskich piwowarow
(Union der russischen Bierbrauer)
ul. Rossolimo 7, office 408, 119021 Moskau
Tel.             007 495/245 50 01       , -245 71 54
E-Mail: , Internet: www.beerunion.ru


Italiens Hotelsektor investiert über 1 Mrd. Euro: Investitionen vor allem in Mailand und Rom

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Bis 2012 sollen 5 Mrd. Euro in den Erwerb von Hotels, deren Umbau oder der Errichtung neuer Anlagen in Italien investiert werden. Die Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle Hotels rechnet im laufenden Jahr mit Akquisitionen im Wert von 600 Mio. Euro und neuen Projekten von 500 Mio. Euro. Laut Experten werden deutsche Fondsgesellschaften zum wichtigen Player am italienischen Markt avancieren. Italiens Attraktivität soll auch durch neue Infrastrukturen und eine Erweiterung des Niedrigpreisangebots aufpoliert werden.

Zweifellos hat Italiens Tourismusjahr 2008 unter negativen Vorzeichen begonnen. Der Müllskandal von Neapel hat dem Image ebenso geschadet wie der Flop der Internet-Plattform www.italia.it Ziel war es, für Italien als Tourismusland einen einheitlichen Internetauftritt zu schaffen, der allerdings niemals funktionierte. Nun werden die Regionen wieder gesondert für ihre Gäste werben müssen.

Auch die internationale Finanzkrise und der allgemeine Liquiditätsmangel werden sich negativ auf die Finanzierung auswirken. So erwarten die Experten von Jones Lang LaSalle Hotels nach einem Rekordjahr 2007 für Investitionen in den Sektor für 2008 einen leichten Rückgang. Dieser betreffe aber nur sekundäre Standorte. Die Investitionen sollen sich großenteils auf Mailand und Rom konzentrieren, während Turin, Bologna und Neapel bereits an Terrain verloren haben. Auch die Berater von Cb Richard Ellis Hotels rechnen 2008 mit einem Investitionsrückgang gegenüber dem Vorjahr. Statt Akquisitionen im Wert von 900 Mio. Euro werden 2008 Abschlüsse im Wert von rund 700 Mio. Euro, aber neue Projekte von mindestens 500 Mio. Euro erwartet. Im Frühjahr 2008 will auch Cushman&Wakefield in das italienische Hotel-Immobiliengeschäft einsteigen.

Die französische Fonciere de Murs Italy plant nach eigenen Angaben, bis 2010 rund 1 Mrd. Euro in das italienische Beherbergungsgewerbe zu investieren. An der Gesellschaft ist die Mailänder Immobiliengruppe Beni Stabili zu 20% beteiligt. Das Unternehmen hat in den letzten Monaten Hotels in Florenz, Rom, Mailand und Turin erworben und ist eine Partnerschaft mit der US-Hotelkette Metha Group (Holiday Inn) eingegangen. Fonciere de Murs plant, auch in Italien die hier noch wenig verbreiteten Studentenheime zu bauen und ist auf der Suche nach geeigneten Objekten.

Sorgen bereitet den Experten vor allem die geringe Qualifikation im Fremdenverkehrssektor. Italiens Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus rangierte in der Rangliste des World Economic Forum an 33. Stelle. Grund für die schwache Performance sind unübersichtliche Normen, schlecht ausgebildetes Personal sowie die geringe Aufmerksamkeit, die die Politik de Branche widmet.

Über hundert Luxushotel-Projekte werden derzeit umgesetzt. Der Immobilienunternehmer Giuseppe Statuto errichtet mit der spanischen Hotelkette Acto in der neuen Mailänder Modecity Garibaldi ein neues Luxushotel und hat im Mailänder Künstlerviertel Brera bereits den Grundstein für das W-Hotel gelegt, Partner ist dabei die Hotelkette Starwood Hotels & Resorts. Die chinesische Mandarin Oriental Hotel Group will in Mailand ihr erstes Hotel in Italien eröffnen und baut derzeit den ehemaligen Sitz der lombardischen Sparkasse Cariplo in ein Fünf-Sterne-Hotel um.

Auch wenn der Stellenwert des Mailänder Airports Malpensa infolge des Exodus von 180 Alitalia Langstreckenflügen ab März 2008 geschmälert wird, baut Sheraton ein neues Vier-Sterne-Hotel in unmittelbarer Nähe des Flughafens. Die Starwood Hotels & Ressorts Worldwide, Inhaber der Marke Sheraton, haben dem Bauunternehmen Degennaro aus Bari den Auftrag für das 72 Mio. Euro-Projekt erteilt. Das Hotel verfügt über eine Kapazität von 140 Zimmern und zwölf Appartements. Ein Fitnesszentrum und zwei 24 Stunden geöffnete Restaurants flankieren das Angebot. Zusätzlich wird das Hotel über eine eigene Jogging-Piste verfügen und einen direkten Zugang zum Flughafen haben. Es wird mittels Projekt-Finanzierung errichtet. Banca Intesa Sanpaolo, Unicredit Group und Centrobanca garantieren die Finanzierung. Die Rückzahlung wird nach zwölf Jahren erwartet. Die Bauarbeiten starten im kommenden Sommer, die Fertigstellung soll 2010 erfolgen.

Inzwischen hat die Betreibergesellschaft des Flughafens Malpensa, SEA, bestätigt, 2008 rund 140 Mio. Euro für die Verbesserung der Dienstleistungen zu investieren. Unter anderem sollen neue Check-in-Schalter für den direkten Zugang der Sheraton-Hotelgäste errichtet werden.

Die Stadt Mailand wird für 40 Mio. Euro am alten Messegelände ein neues Kongresszentrum errichten. Nachdem die Messegesellschaft bereits zwei Drittel des Geländes an das Konsortium Citylife (Bauunternehmen Ligresti) für den Bau eines neuen Wohn- und Büroviertels abgetreten hatte, sollen nun auch die restlichen 50.000 qm veräußert und zum großen Teil für das Kongresszentrum verwendet werden. Bevor es zur Ausschreibung kommt, muss noch geklärt werden, ob in Mailand zwei Kongresszentren entstehen oder ob das im neuen Urbanistikprojekt Sangiulia vorgesehene Kongresszentrum durch das neue Projekt in Portello-Fiera ersetzt wird. Der Kongresstourismus bestreitet in Mailand einen Anteil von 25% am gesamten Fremdenverkehr.

Die spanische Kette Nh Hoteles will die Anzahl der Italienhotels bis 2010 von derzeit 58 auf 70 erhöhen. Unter anderem soll eine Luxusherberge auf Amalfi entstehen, wo ein Ex-Kapuzinerkloster mit einem Aufwand von rund 70 Mio. Euro umgebaut wird. Weitere 100 Mio. Euro sollen für die Modernisierung und den Umbau der vor drei Jahren erworbenen italienischen Hotelkette Jolly investiert werden. Zwei neue Hotels sollen in Mailand, eines in der Provinz Mailand beim Flughafen Linate (Peschiera Borromeo) entstehen. Weitere Standorte sind Palermo und Florenz. Auch baut Nh Hoteles neue Fremdenverkehrsdörfer in Ragusa (Sizilien) und Bari. Partner ist dabei die Weinfirma Donnafugata.

Um das Image als veraltetes Tourismusland aufzupolieren, haben zwei Adriaorte, (Riccione und Cesenatico) beschlossen, ihre Strandstrukturen zu verbessern. In Riccione entsteht ein neuer Strandweg: ein mit Palmen umgebener Meeresspazierweg von etwa 10 km wird von einem neuen Parkplatz und Vergnügungszentrum flankiert. In Cesenatico entsteht ein Luxushotel, das die Diskothek Nuit ersetzt. Zwölf lokale Unternehmer wollen die Requalifizierung des Zentrums vornehmen und unter anderem auch die ehemaligen Kinder-Feriendörfer in Touristen-Appartements, Grünflächen, Joggingwege und neue Parkplätze umbauen. Die italienische Luxushotelgruppe Boscolo mit einem Umsatz von 110 Mio. Euro im Jahr 2007 will hingegen neue Hotels im europäischen Ausland (wie Paris, London, Madrid) errichten. In Italien besitzt die Boscolo Group bereits 13 Luxushotels und betreibt acht weitere Herbergen. Zwei neue Hotels in Padua und Bari werden in den nächsten Monaten eröffnet.


Polnische Kreisstädte erhalten moderne Kinobauten

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Kinokomplexe steigern Umsatz / Traditionellen Kinos haben das Nachsehen

Da die polnischen Großstädte mit Kinos schon relativ gut ausgestattet sind, drängen die Betreiber verstärkt in mittlere Agglomerationen. Dort entstehen kleinere Bauten, so dass 2008 lediglich sechs große Komplexe eröffnet werden dürften nach noch 13 im Jahr 2007. Multikino baut seine Position aus, indem er seinen Konkurrenten Silver Screen übernimmt. Mit 32,6 Mio. Zuschauern wurde 2007 eine Rekordzahl erreicht, die künftig noch weiter steigen dürfte.

In Polen erscheint es inzwischen lohnend, ein Kino pro 60.000 Einwohner zu errichten. Somit rücken mittlere Städte verstärkt ins Blickfeld der Betreiber, die dort etwas kleinere Kinokomplexe planen. Als besonders attraktiv gelten Standorte, an denen sich bedeutende Verkehrswege kreuzen.

Der zweitgrößte Betreiber, Multikino, konzentriert sich inzwischen laut seinem Vorsitzenden Maciej Baginski auf Städte mit bis zu 100.000 Einwohnern. Multikino eröffnete 2007 sechs Kinokomplexe; 2008 baut er weitere in Sopot (Zoppot) und Lublin, die 2009 eröffnet werden sollen. Standorte für künftige Objekte befinden sich auch in Gliwice (Gleiwitz) und Poznan (Posen).

Anfang September 2007 nahm Multikino den größten Saal der Hauptstadt mit 777 Plätzen und der landesweit größten digitalen Leinwand von 29×12 m in Betrieb. Dieser gehört zu dem eine Gesamtfläche von über 7.000 qm belegenden Kinokomplex mit insgesamt acht Sälen in dem prestige-trächtigen Handels-, Büro- und Freizeitzentrum „Zlote Tarasy“ (Goldene Terrassen) beim Warschauer Zentralbahnhof.

Marktanteile der Kinoketten gemäß verkauften Eintrittskarten im 1. Halbjahr 2007 (in %)

Cinema City Multikino Helios* Silver Screen Atlantic Nove Kino
Marktanteil 43,7 22,1 21,5 10,9 1,0 0,8
Kinozahl 23 20 14 5 k.A. k.A.

*einschließlich Kinoplex
Quelle: Boxoffice.pl

Berücksichtigt man auch die traditionellen Kinos, so reduzierte sich der Marktanteil (gemäß verkaufter Eintrittskarten) von Cinema City Mitte 2007 auf 34,3%, gefolgt von Multikino (17,4%), Helios (16,8%; einschließlich Kinoplex, ohne traditionelle Kinos), Silver Screen (8,5%), Atlantic (0,9%), Nove Kino (0,6%) und traditionelle Kinos (21,4%).

Die zu ITI gehörende Gesellschaft Multikino will ihren bisherigen Marktanteil im Bereich der Kinokomplexe von 22,1% noch kräftig erhöhen. Sie unterzeichnete daher Mitte Februar 2008 mit ihrem Konkurrenten Silver Screen einen Übernahmevertrag. Dieser Transaktion, über deren Wert keine Angaben gemacht werden, muss nun noch die Kartellbehörde Urzad Ochrony Konkurencji i Konsumentow zustimmen. Multikino strebt an die Warschauer Börse, um ihre Investitionsprojekte im Wert von 200 Mio. Zl finanzieren zu können. Allein bis Mitte 2009 will Multikino 100 Mio. bis 150 Mio. Zl aufbringen und fünf bis acht Objekte eröffnen.

Nach Beendigung des Zusammenschlusses mit Silver Screen wird Multikino über 19 Kinobauten mit 174 Leinwänden und knapp 40.000 Plätzen verfügen. Bisher hat der Betreiber 14 Kinokomplexe. Silver Screen gehört bislang den US-amerikanischen Fonds Apollo Real Estate Advisors und betreibt fünf Multiplexe. In den kommenden Jahren will er noch vier weitere eröffnen, darunter in Radom und Koszalin (Kößlin). Ein Projekt hat er im ukrainischen L’viv (Lemberg).

Der Konsolidierungsprozess auf dem Kinomarkt hatte bereits zuvor eingesetzt. Im Sommer 2007 übernahm der Betreiber Helios aus Lodz (Lodsch) die Kinoplex-Kette mit ihren fünf Objekten. Helios eröffnet 2008 zwei Kinokomplexe in Bialystok und je einen in Plock (Plozk) sowie Dabrowa Gornicza. Anschließend will der Betreiber in Legnica (Liegnitz), Lublin und Slupsk (Stolp) investieren. Bis 2010 plant Helios, zehn Objekte in Betrieb zunehmen. Um das notwendige Kapital dafür zu generieren, bereitet der Betreiber seinen Gang an die Börse vor. Über 80% der Helios-Aktien halten zwei Private-Equity-Fonds. Der Betreiber schätzt seine Einnahmen 2007 auf 117 Mio. Zl.

Die erste Transaktion führte jedoch Cinema City durch, als sie die Kette Kinepolis übernahm. Neue Komplexe von Cinema City entstehen in dem Handelszentrum Galeria Mosty in Plock, in Bydgoszcz (Bromberg), Zielona Gora (Grünberg), Bytom (Beuthen), Bielsko-Biala (Bielitz-Biala), Gdansk (Danzig) und Krakow (Krakau). Vereinbart wurde bereits der Bau von neun Objekten bis 2011.

Einnahmen der Kinos aus Kartenverkäufen (in Mio. Zl)

2003 2004 2005 2006 2007
324 465 334 460 482

Quelle: Boxoffice

Die Zahl der Kinobesucher erreichte 2007 mit rund 32,6 Mio. eine neue Rekordhöhe, die aber nur geringfügig (+1,8%) über der von 2006 mit rund 32 Mio. lag. Branchenkenner schätzen den Zuwachs in den modernen Kinokomplexen, der zu Lasten der traditionellen Kinos ging, dabei allerdings auf 15%. Eine besonders hohe Zunahme um 21,4% verzeichnete Cinema City mit 11,9 Mio. verkauften Karten (2007).

Künftig erwarten die Betreiber weitere Steigerungen, wenn zum Beispiel auch Kleinstädter die Möglichkeit haben werden, in Multiplexen zu Film-Premieren zu gehen. Die Einnahmen der Kinos aus Kartenverkäufen stiegen laut Boxoffice 2007 um 4,6% auf 481,6 Mio. Zl (rund 134,2 Mio. Euro, 1 Euro = 3,59 Zl).

Mit den steigenden Besucherzahlen gewinnt auch die Kinowerbung an Bedeutung. Die Betreiber nahmen damit 2007 rund 70 Mio. Zl ein (einschließlich Tauschgeschäfte und Eigenwerbung), was einem Zuwachs um 20% entspricht. Diese Angaben macht MiMP unter Berufung auf die Gesellschaft New Age Media, die die Ketten Cinema City, Kinoplex und Helios bedient. Für 2008 erwartet New Age Media einen genauso hohen Zuwachs der Kinowerbung.

Multikino und Silver Screen hatten bereits im Oktober 2007 vereinbart, gemeinsam die Ausstrahlung von Werbespots zu verkaufen. Bisher gehen die Polen laut Helios durchschnittlich erst 0,85 Mal jährlich ins Kino und bezahlen dabei durchschnittlich 3,60 Euro pro Eintrittskarte. In Westeuropa liegen diese Angaben bei 2,1 Mal für je 6,20 Euro.

Einige traditionelle Warschauer Kinos der Firma Max-Film werden modernisiert und neu gestaltet wie das „Praha“ auf der rechten Weichselseite. Das „Wars“ und das „Skarpa“ in zentraler Lage werden von zum Fonds BBI Development NFI gehörenden Investorgesellschaften umfunktioniert. Neben kleinen Kinosälen sollen dort moderne Wohnungen und Räumlichkeiten für Büros und Dienstleistungen geschaffen werden. Diese dürften frühestens gegen Ende 2008 übergeben werden. (B.R.)


Baugeschäft im Oman: Arabia Light

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Überschaubarer Markt für Einsteiger geeignet / Von Martin Böll

Der Bauboom am Golf wirkt ansteckend: Auch das Sultanat Oman hat seine Tore geöffnet und private Immobilienprojekte erlaubt. Überall gibt es neue Wohn- und Tourismusprojekte in großem Stil. Auch wenn das Auftragsvolumen im Sultanat nur einem Bruchteil des Geschäfts in den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten ausmacht – für neue Unternehmen in der Region birgt das Land interessante Einstiegschancen: Der Markt ist übersichtlicher, das Tempo etwas langsamer und die Wege sind kürzer. (Kontaktanschriften)

Seit Dezember 2006 heißt das neue Zauberwort „integrierte Tourismusanlage“. Der Sultan des Landes hat ausländischen Anlegern den Erwerb von Eigentum in ausgewiesenen Tourismusgebieten erlaubt. Quasi über Nacht ist Oman in das Blickfeld von Anlegern und Baulöwen gerückt.

Abgesehen vom rechtlichen Aspekt kann der Oman noch etwas bieten, was andere Golfstaaten nie gehabt oder längst verloren haben: Eine malerische Küste und einen Rest von arabischem Flair. Weiß getünchte niedrige Häuser, Palmen und eine sichtbare, traditionell gekleidete Bevölkerung – ein starker Kontrast zum hektischen Verkehrschaos und den beengten Betonschluchten der benachbarten VAE.

Immobilien: Das bislang größte Projekt ist die Medina Al Zarqa, die Blaue Stadt, eine 35 qkm große Wohn- und Tourismusanlage am Meer, 90 km nordwestlich von Oman. Binnen 15 Jahren sollen 15 Mrd. bis 20 Mrd. US$ verbaut werden. Die Fünf-Sterne-Unterkünfte können jährlich 2 Mio. Touristen aufnehmen, die Villen 200.000 Dauerbewohner. Der Masterplan kommt von Foster & Partner. Entwickler ist die Al Sawadi Investment and Tourism Co. (ASIT), Bauunternehmer eine Partnerschaft der griechischen Aktor und der türkischen Enka.

Hinzu kommt in der Hauptstadt Muskat das „Mega Resort“ The Wave, eine künstliche Insel und Strandanlage mit Golfplatz, vier Luxushotels, Yachthafen, Appartements und Villas. Die größten Aufträge gingen bislang an Carillion Alawi, Al Turki Enterprises, Al Mashrikia-Travo und Bauer Spezialtiefbau. Hinter dem Projekt stehen die Waterfront Investments der omanischen Regierung, der National Investment Fund (omanischer Pensionsfond) und die VAE-Gruppe Majid Al Futtaim. Weitere genehmigte Tourismusprojekte sind der Muscat Golf and County Club (Bauunternehmer: Larsen & Toubro), Omagine (Consolidated Contractors Company), das Barr al Jissah Resort und das Salam Resort in Yiti.

Flughäfen: Damit die erwarteten Touristenmassen auch ins Land kommen können, plant die Regierung sechs neue Flughäfen und die Erweiterung der bestehenden in Muskat und Salalah. Standorte der neuen Landebahnen sind Sohar, Al Duqm, Ras Al Had, Adam, Haima und Shaleem. Berater für die Erweiterung des Flughafens in der Hauptstadt ist die Airport de France Ingenierie.

Hintergrund der allgemeinen Wirtschaftsliberalisierung ist die Erkenntnis, das die Öl- und Gasvorräte des Landes begrenzt sind und die Regierung dringend alternative Einkommensquellen braucht. In diesem Zusammenhang ist der Fremdenverkehr nur eines von zwei neuen Standbeinen. Das andere ist der verarbeitende Sektor.

Industrie: Hauptstandort der industriellen Ambitionen ist die kleine Hafenstadt Sohar, wo 12 Mrd. $ in verschiedene Industriekomplexe gesteckt werden, darunter ein Aromaten-Komplex, eine Stahlfabrik, eine Polypropylen-Anlage, Methanol- und Düngemittelprojekte sowie eine Aluminiumschmelze. Zweiter Industrieplatz ist Salalah, wo die Octal Holding Co. 300 Mio. $ für einen Chemiewerk und die Oman Oil Co. eine Methanolanlage bauen. Dazu gehören ein Kraftwerk und eine Wasserentsalzungsanlage.

Schifffahrtshäfen: Parallel zu den Industrieansiedlungen werden die Häfen der beiden Standorte ausgebaut und Freizonen eingerichtet. Zum dritten Hafenstandort wird Duqm in der Al-Wusta-Region ausgebaut. Die Regierung wünscht sich dort eine neue Raffinerie, ein Kraftwerk sowie einen Schifffahrtshafen mit Trockendock.

Strom und Wasser: Den für die Wirtschaftsentwicklung notwendigen Strom und die damit zusammenhängenden Wasserentsalzungsanlagen sollen private Investoren liefern. Früher als andere Länder der Region hat Oman auf Independent Water and Power Projects (IWPPs) gesetzt, darunter das kürzlich bekanntgegebene 800 Mio.-$-Vorhaben Barka II/Rusayl und IWPPs in Salalah. Im Rahmen des ersten Projekts wird ein neues 678 MW-Kraftwerk nebst Wasserentsalzungsanlage für 26,4 Mio. Gallonen Wasser/Tag gebaut und das bestehende 665 MW-Rusayl-Kraftwerk übernommen. Das geplante IWPP-Salalah soll einmal 400 MW Strom und 15 Mio. Gallonen Wasser/Tag liefern.

Straßen: Anlässlich seines 37. Nationalfeiertags Mitte November 2007 gab Oman mehr als 50 Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtwert von 934 Mio. $ bekannt. Grünes Licht gab es für den auf 483 Mio. $ veranschlagten Hafen von Duqm, einen 2. Projektabschnitt für den Fischereihafen von Sohar, einen 3. Abschnitt für dessen Industriehafen, den Bau einer strategisch wichtigen Straße in Dhofar sowie andere Straßenbauvorhaben.

„Für deutsche Unternehmen, die noch nicht in der Region vertreten sind, könnte Oman ein Interessantes Einstiegsland sein“, sagt Manfred Steffen, stellevertretender Delegierter der Deutschen Wirtschaft und AHK-Repräsentant für Oman. „Hier kennt jeder jeden und die Wege sind kurz.“ Nicht umsonst ist das Sultanat deshalb auch ein bevorzugtes Zielland für deutsche Delegationsreisen. Nirgendwo sonst in der Region, kann man so direkt und unkompliziert mit Regierungs- und Industrievertretern ins Gespräch kommen und – bei aller regionalen Gegensätzlichkeit – ein Gespür für jenen Teil der Welt bekommen.

Ideale Bedingungen gibt allerdings auch im Oman nicht: Wie in alle anderen Staaten der Arabischen Halbinsel auch trifft die Baunachfrage auf ein viel zu kleines Angebot. Es fehlt an Stahl, an Zement und an Arbeitern. Die Regierung will deshalb vorerst die Vergabe von Aufträgen strecken. Angesichts der hohen Inflation bleibt wohl noch abzuwarten, ob sich alle Projekte in vollem Umfang realisieren lassen.

Auftraggeber/Projekt Mio. $ Berater/Hauptauftragnehmer Dauer
Insgesamt 20.469
davon:
The Wave Phase 1 360 OBM/Al Turki; Al Mashrikia-Travo 05/07-02/09
.Phase 2 1.600 OBM/n.o. 09/08-10/12
Alfa International/Omagine 1.600 n.o./CCC 02/08-02/12
OMTC/Salalah Straßen u. Hafen 582 Conser; Consulting Ingeneering; Nespak/National Construction; Hani Archirodon 09/05-03/10
.Muscat Expressway 350 Parsons/Galfar Engineering 09/05-09/09
.Sohar Flughafenerw. 300 Hamza Associaters/n.o. 07/08-12/12
.Seeb u. Salalah Flughäfen 1.200 COWI-Larsen/n.o. 05/08-06/11
OTDC/Convention Centre 500 Geo-Resources/n.o. 10/08-10/11
.vier Hotels in Muskat 2.600 n.o./n.o. 07/08-10/10
.Interconti Hotelerweiterung 800 Geo-Resources/n.o. 10/08-10/11
.Jabal Al Akhadar Hotel 150 n.o/n.o. 11/08-11/10
.Duqm Beach Hotel 300 KEO International/n.o. 03/08-03/11
ASIT/Blue City Phase 1 1.900 Atkins/Aktor-Enka Insaat 04/06-04/11
Sama Dubai/Shinas Omani Resort 1.900 Curie & Brown/n.o. 03/08-12/12
Al Madina Real Estate/Tilal Al Khuwair 1.000 Design Inc/PT Adhi Karya (Persero) Tbk 06/07-03/09
Majan Gulf Properties/Khasab Resort Musandam 780 Marzougi & F Nassif Associates/n.o. 05/08-12/12
.Majan Logistic City Sohar 200 Marzougi & F Nassif/n.o. 05/08-02/11
.Sohar Residential Commercial and Tourism 172 Marzougi & F Nassif/IGDC 09/06-09/09
Port Services/Hafenerw. Muskat 400 WorleyParsons/n.o. 03/08-08/11
Radiance/Green Acres 500 n.o./n.o. 03/08-03/13
OMNE/Duqm Port 690 Daewo/CCIC-STFA-Jan de Nul 10/07-05/10

n.o. = noch offen
Quelle: ProLeads

Kontaktanschriften: 

The German Industry & Commerce Office Dubai
Manfred M. Steffen
P.O. Box 7480, Dubai, United Arab Emirates
Tel.:             00971/43 97 00 01       , -2, -4; Fax: -3
E-Mail: , Webseite: www.ahkoman.com

Oman Tourism Development Company (OTDC)
PO Box 479, Muttrah 114, Oman
Tel.:             00968/24 77 37 00       , Fax: -24 79 39 29
E-Mail: , Internet: www.omran.om

Oman Ministry of National Economy (OMNE)
PO Box 881, Muscat 100, Oman
Tel.:             00968/24 69 89 00       , Fax: -24 69 84 67
E-Mail: , Internet: www.moneoman.gov.om

Oman Ministry of Transport & Communication (OMTC)
PO Box 684, Muscat 113, Oman
E-Mail: , Internet: www.motc.gov.om


Italiener zahlen meistens bar

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Kreditkarten werden wenig genutzt / Banken investieren in Geldautomaten/ Von Thesy Kness- Bastaroli

In Italien wird nach wie vor lieber mit Bargeld als mit Kreditkarten gezahlt. 90% aller Zahlungen erfolgen bar (EU: rund 70%). Ein entscheidender Grund sind die hohen Gebühren (bis zu 4% des Betrags) beim Zahlen mit der Kreditkarte. Die italienischen Banken investierten in den letzten Jahren massiv in neue ATM-Bankomaten und erwarten für 2008/09 zweistellige Wachstumsraten. Der Boom der ATM ist auf die langen Wartezeiten in den Banken zurückzuführen. Ein Kunde braucht am Schalter rund 15 Minuten.

Nach einer Untersuchung der Zentralbank Banca dx{2018}Italia waren 2007 in Italien 33 Mio. Kredit- oder Bankkarten im Verkehr (+5%), aber nur 16 Mio. werden mindestens einmal pro Jahr genutzt. Die Anzahl der Prepaid-Karten wird mit 4,5 Mio. angegeben. 80% der Besitzer dieser Karten sind unter 35 Jahren. Zentralbankchef Mario Draghi, kritisierte kürzlich die konservativen Zahlungsgewohnheiten in Italien: „Bei uns zirkuliert zu viel Bargeld“. Nur 3% aller Käufe erfolgen bargeldlos (Niederlande: 12%, Belgien: 13%, Frankreich: 16%, Vereinigtes Königreich: 17%).

Fraglich ist, ob die Einführung neuer Zahlungsmöglichkeiten die Gewohnheiten ändern wird. Für die seit 30 Jahren im Gebrauch befindliche Kreditkarte CartaSi ist 2006 die Zahlung über das Handy per SMS eingeführt worden. Inzwischen machen 77.500 Kunden davon Gebrauch.

Die italienische Postverwaltung, Poste Italiane, hat vor wenigen Monaten Poste Mobile eingeführt. Dieser Service ermöglicht unter anderem eine Überweisung von einem Mobiltelefon zum anderen. Künftig können Strom-, Gas- und Telefonrechnungen, aber auch Taxi- und Postgebühren über die Prepaid-Karte mit dem Handy gezahlt werden. Bei Überweisungen besteht eine Höchstgrenze von 3.000 Euro. Die Software wurde von der Poste Italiane selbst entwickelt, die neuen Prepaid-SIM-Karten werden vom Internationalen Patentamt in München geschützt. Die SIM-Karten sind inzwischen bei den 16.000 Postämtern in Italien zu erhalten. Ende 2006 zirkulierten rund 4 Mio. dieser Karten, wovon rund die Hälfte auf die Poste Italiane entfielen.

Es bestehen mehrere Gründe für den relativ geringen Gebrauch von Kreditkarten. Zweifellos misstrauen die Kunden dem Sicherheitssystem und haben Angst vor Kopien. „Solange es keine Garantie gibt“ meinte ein Sprecher des Verbraucherschutzverbandes Adusbef, „werden die Italiener weiterhin Bargeld im Zahlungsverkehr vorziehen.“

Aber auch die weitverbreitete Schwarzarbeit und der Hang zur Steuerhinterziehung bremsen Zahlungen mit Kreditkarten. Kaum ein Handwerker, Installateur oder Arzt besitzt laut dem Bankenverband ABI ein Kartenlesegerät, so dass der Kunde häufig bar zahlen muss.

Nur 1,1 Mio. der insgesamt 1,65 Mio. Handelsbetriebe verfügen über ein Kreditkarten-Lesegerät. In der norditalienischen Lombardei (Mailand) sind knapp 200.000 Geräte installiert, an zweiter Stelle (126.000) rangiert die mittelitalienische Region Latium (Rom). In den süditalienischen Regionen Kalabrien und Molise macht ihre Anzahl nicht einmal 50.000 aus.

Laut einer Untersuchung der britischen Kreditkartenschutzgesellschaft Cpp kam es 2006 vor allem in Telefon- und Unterhaltungselektronikgeschäften zu Betrugsfällen mit Kreditkarten. Rund 26% aller Betrügereien entfielen auf diese Branchen. 62% der Straftaten wurden durch Raubkopien und 20% durch Diebstähle verursacht. Laut der Cpp-Veröffentlichung gibt es auch regionale Unterschiede: In Norditalien werden die gefälschten Karten vor allem in Unterhaltungselektronik- und Modegeschäften, in Süditalien in Telefonläden, Supermärkten und Restaurants benutzt.

Italien hat einen großen Bedarf an neuen Geldautomaten. Im Jahr 2006 waren 40.000 Bankomaten installiert (Großbritannien: über 60.000, Spanien: 58.000, Deutschland: 57.000). Insgesamt wurden 2006 rund 150 Mrd. Euro über Bankomaten abgehoben. Laut Fachverbandsschätzungen wurden 2007 knapp 7.000 neue Geldautomaten installiert. Davon entfielen 2.000 auf moderne ATM-Geräte (Automated Teller Machines). Das durchschnittliche Alter eines Bankomaten sank seit dem Jahr 2000 von 13 auf zehn Jahre und soll bis 2010 auf sieben Jahre abnehmen.

Von dem Nachfrageboom nach Geldautomaten profitieren vor allem die US-Firmen Ncr mit einem geschätzten Marktanteil von 50% und Diebold mit 37%. Die deutsche Wincor-Nixdorf hat ihren Marktanteil in den letzten Jahren auf 13% erhöht und sieht weiteres Wachstumspotenzial. Zu ihren Kunden zählt die führende italienische Bank Unicredit Group mit weltweit 9.000 Filialen. Wincor-Nixdorf betreibt für Unicredit das Cash Management. Gut im Rennen liegt auch die italienische Sigma, die nach eigenen Angaben ihren Marktanteil seit 2000 von 3 auf 6% verdoppelte.


Chinas Bierkonsum wächst, aber die Margen sinken

Februar 28, 2008

Quelle: bfai, Februar 2008

Brauereien leiden unter steigenden Produktionskosten / Deutsche Brauereitechnik unter Wettbewerbsdruck

Chinas Biermarkt gehört zu den attraktivsten weltweit. Kenner gehen auch 2008 von einem Umsatzzuwachs von 8 bis 10% aus. Steigende Produktions- und Rohstoffkosten lassen jedoch die Gewinne schmelzen. Analysten erwarten eine fortschreitende Marktkonsolidierung und den Aufbau weiterer Braukapazitäten. Dabei steigt die Gefahr von Überinvestitionen. Deutsche Brauanlagen bleiben gefragt, doch der starke Euro macht den Herstellern zu schaffen. Inländische Produzenten von Standardanlagen holen derweil auf.
Seit 2002 ist die VR China der größte Bierproduzent weltweit mit jährlichen Zuwächsen von deutlich über 10%. Mittelfristig dürfte die Branche Analysten zufolge im gleichen Tempo wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zulegen. Dies dürfte auch 2008 um rund 10% steigen. Für die Bierbranche, die in den gesättigten Märkten in Europa oder USA kaum noch wächst, ist China damit äußerst attraktiv. Doch die Gewinnmargen schmelzen und dürften bei einigen Brauereien bereits ein kritisches Maß erreicht haben. Mindestens 70% des Geschäfts mit dem Gerstensaft wird in der Volksrepublik im Niedrigpreissegment gemacht. Der Premiumbereich wird zu einem Großteil von internationalen Biermarken besetzt.

Kennzahlen der Bierproduzenten (Produktion in Mio. t, Umsatz in Mrd. RMB) *)

2004 2005 2006 2007
Produktion 29,1 30,6 35,2 39,3
Umsatz 62,4 67,1 83,9 91,1

*) Angaben von Unternehmen mit einem jährlichen Mindestumsatz von 5 Mio. RMB.
Quelle: China Economic Information Network (CEInet); www.cfiin.com

Sinkende Gewinne resultieren aus deutlichen Kostensteigerungen, die aufgrund des intensiven Wettbewerbs und der preissensitiven Kundschaft nur eingeschränkt weitergegeben werden. Ende 2007 prognostizierte die China Alcoholic Drinks Industry Association (CADIA) für 2008 eine Verdopplung der Importpreise für eine Tonne Braugerste auf circa 4.600 bis 5.200 Renminbi Yuan (RMB; etwa 434 bis 490 Euro; 1 Euro = 10,61 RMB). Auch das im Inland hergestellte Gerstenmalz dürfte fast doppelt so teuer werden. Die Kosten dürften auf ungefähr 5.000 RMB pro Tonne steigen, wobei die Importpreise noch darüber liegen. Darüber hinaus müssen die Brauereien für steigenden Verpackungs-, Energie- und Lohnkosten tiefer in die Tasche greifen.

Obwohl sich die Zahl von ursprünglich über 800 Brauereien auf inzwischen rund 500 reduziert haben soll, ist der Markt nach wie vor regional stark fragmentiert. Selbst die großen Vier in der Branche – China Resources Snow Breweries (CRSB), Tsingtao Brewery, InBev China, Beijing Yanjing Brewery – vereinigten 2006 weniger als die Hälfte des Marktes auf sich. Nur ihre regionalen Stammmärkte haben sie relativ fest im Griff.

Aufgrund des harten Preiswettbewerbs können Gewinnzuwächse nur durch Umsatzsteigerung bei gleichzeitiger Modernisierung und Erhöhung der Produktionseffizienz erreicht werden. Sowohl die Tsingtao Brewey als auch CRSB haben sich internationale Partner an Bord geholt. So hält Anheuser-Busch rund 27% an der Tsingtao Brewery und SABMiller 49% an CRSB. Nur die Beijing Yanjing Brewery hat bislang alle internationalen Beteiligungsangebote abgelehnt.

Im Kampf um Marktanteile wird in der Branche auch 2008 kräftig weiter investiert. Analysten warnen bereits vor Überinvestitionen, die teilweise durch die Lokalregierungen unterstützt werden. Im Fokus scheint dabei nicht länger Aufkauf von und Beteiligung an bestehenden Brauereien zu stehen. Laut Brancheninsidern ist die Zahl attraktiver Übernahmeobjekte deutlich zurückgegangen, während die Preise gestiegen sind.

So hat beispielsweise die Tsingtao Brewery damit begonnen, insgesamt 1,5 Mrd. RMB in die Erweiterung ihrer Produktionskapazität um 1 Mio. t zu investieren. Brauanlagen in Qingdao (Provinz Shandong, Kapazität: 0,3 Mio. t; Investition: 294 Mio. RMB) und Jinan (ebenfalls Shandong, 0,3 Mio. t, 560 Mio. RMB) stehen kurz vor der Betriebsaufnahme, während neue Projekte in Chengdu (Provinz Sichuan, 0,1 Mio. t, 250 Mio. RMB) und in Rizhao (Provinz Shandong, 0,2 Mio. t, 280 Mio. RMB) im Mai 2008 starten soll. Bereits beschlossen ist ebenfalls die Erweiterung der Malzherstellung in Qingdao um 100.000 t (bislang 27.000 t). Darüber hinaus investiert die Tsingtao Brewery, deren Biermarke im Ausland am bekanntesten sein dürfte, in ein Joint Venture in Thailand. Dies ist das erste Auslandsengagement in der chinesischen Bierbranche.

Auch die Beijing Yanjing Brewery plant eine Kapitalerhöhung um 1,8 Mrd. RMB durch Ausgabe neuer Aktien. Finanziert werden soll damit unter anderem der Bau von Brauereianlagen mit einer Gesamtkapazität von 975.000 t. Bereits im Mai 2008 soll in Yulin (Provinz Guangxi) eine neue Produktionsanlage mit einer Jahreskapazität von 0,15 Mio. t in Betrieb gehen. Auch einige mittelgroße Brauereien erweitern. So begann Chongqing Beer mit dem Bau einer neuen Brauereianlage (Gesamtkapazität: 0,5 Mio. t pro Jahr) in Chongqing in mehreren Phasen. Auch Guoren Beer, das zur Chongqing Beer Group gehört, investiert 2008 über 200 Mio. RMB in die Modernisierung bestehender Anlagen.

Deutsche Lieferanten von Brauereianlagen waren bislang am Markt gut positioniert. 2007 mussten sie jedoch einen deutlichen Einbruch ihrer Exporte nach China um fast 65% hinnehmen, während der gesamte Importmarkt um 33% schrumpfte. Insgesamt lieferten sie 2007 acht Anlagen im Wert von 3,34 Mio. $. Mit nur einer Lieferung im Wert von 5 Mio. $ lag Belgien als Lieferland wertmäßig erstmals an der Spitze. Die meisten Kleinanlagen kamen aus den Niederlanden. Minibrauereien liegen in China im Trend. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren beständig gestiegen.

Insgesamt machen den europäischen Lieferanten der starke Euro und zunehmend die lokale Konkurrenz zu schaffen. Diese hat vor allem im mittleren Segment deutlich aufgeholt und nutzt ihren Heimvorteil. Laut Xu Gongjin, Leiter der deutsch-chinesischen Brautechnischen Akademie (BTA) in Wuhan, kaufen chinesische Brauereien jedoch nach wie vor die Kernanlagen aus Deutschland, während Förderbänder und Abfüllanlagen bereits lokal erworben werden.

Chinas Einfuhr von Brauereianlagen und Bier 2005 bis 2007 (in Mio. US$, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %) *)

2005 2006 2007 Veränderung
220300: Bier 27,0 22,3 27,4 22,9
.Deutschland (MF) 3,5 6,5 10,2 56,9
.Mexiko 16,4 13,7 8,2 -40,1
842220: Maschinen z. Reinigen o. Trocknen von Flaschen 29,2 23,4 23,0 -1,7
.Deutschland (MF) 12,7 8,9 11,6 30,3
.Japan 1,8 1,5 2,6 73,3
843840: Brauereimaschinen u. -anlagen 15,1 15,0 10,0 -33,3
.Deutschland 13,7 9,4 3,3 -64,9
.Belgien (MF) 0,1 0,1 5,0 5000,0

*) Darstellung des jeweiligen Marktführers (MF) und Deutschlands.
Quelle: General Admministration of Customs of the PR China

Um preislich attraktiv zu bleiben und von bestehenden Geschäftsverbindungen zu profitieren, haben sich deutsche Brauerei- und Getränkeanlagenbauer in den vergangenen Jahren bereits an lokalen Konkurrenten beteiligt. Andere haben vollständige Tochterunternehmen vor Ort aufgebaut. Damit werden in der Regel nicht mehr Komplettmaschinen, sondern nur noch Kernkomponenten und -teile aus Deutschland importiert.

Bislang dürften nahezu 50% des Anlagenbestands aus Deutschland stammen, so die Einschätzung Xus. Seit 1988 versorgt die BTA als einzige Ausbildungsstätte ihrer Art in der Volksrepublik die chinesische Bierindustrie mit rund 300 Brauern und Braumeistern pro Jahr. Über 3.000 hat sie seither vorwiegend an deutschen Anlagen ausgebildet. Dies hat, wie Xu weiß, bei mancher Kaufentscheidung den Ausschlag für „made in Germany“ gegeben. Bei deutschen Brauanlagenherstellern sind die Absolventen für den Chinavertrieb begehrt. Erstmals kommen im Herbst 2008 Studenten für den neu geschaffenen deutsch-chinesischen Bachelor-Studiengang Brauwesen nach Wuhan, der ihnen auch den Bachelor-Erwerb in Deutschland ermöglicht.

Nach Xus Einschätzung wird 2008 der Wettbewerb zwischen den großen Brauereien um landesweit marktbeherrschende Positionen weitergehen. So setzen beispielsweise sowohl Yanjing Beer als auch Tsingtao Beer auf ein offizielles Sponsoring der Olympischen Spiele als Werbemaßnahme. Marktführer ist jedoch seit einigen Jahren mit einem Anteil von 17 bis 18% CRSB. Groß geworden ist die zunächst nur im Südosten bekannte Brauerei durch den Aufkauf kleinerer Brauereien. Allein 2007 übernahm CRSB für rund 79 Mio. $ vier Brauereien in Liaoning, Anhui und Hunan und verfügt damit in China über mehr als 50 Brauereien.

Auch internationale Brauereien haben zunächst bei ihren Joint Ventures und Beteiligungen regionale Schwerpunkte verfolgt. So konzentriert sich Inbev vor allem auf die Südostküste, Anheuser-Busch auf den Nordosten des Landes, während Carlsberg durch Beteiligungen an Tibet Beer, Huanghe Beer und Xinjiang Bier starke Präsenz im Nordwesten besitzt. Dort sowie in Zentralchina sehen Analysten auch künftig (zunächst vor allem im Niedrigpreissegment) großes Wachstumspotenzial, während der Biermarkt in einigen Zentren der Ostküste – allen voran Beijing – als nahezu gesättigt gilt. (C.A.)