Fast Food ist in Polen weiter im Kommen – Umsätze der Gastronomie insgesamt sinken

Quelle: gtai, 27. November 2009

Von Beatrice Repetzki

Der allgemeine Spartrend in Polen macht auch vor dem Gastronomiesektor nicht halt. Während die gehobeneren Restaurants Umsatzeinbußen verzeichnen, hofft der Fast-Food-Sektor auf bessere Geschäfte. Marktführer im mittleren Segment will Sfinks durch die Übernahme der Pizzerienkette Da Grasso werden. Das Netz von vegetarischen Schnell-Restaurants Green Way und AmRest wollen weiter expandieren.

Die mittelfristigen Aussichten für den polnischen Gastronomiesektor sind eher ungünstig. Die Ausgaben für das Essen außer Hause sollen noch bis 2011 sinken und auch 2013 noch nicht wieder das Niveau von 2008 erreichen. Der Marktforscher Euromonitor International erwartet, dass Restaurateure in Polen 2013 etwa 7,86 Mrd. Euro einnehmen werden nach noch 8,15 Mrd. Euro 2008. Ähnlich soll die Entwicklung auch in ganz Mittel- und Osteuropa verlaufen, wo die Umsätze 2013 nur noch 39,7 Mrd. Euro betragen sollen nach 40,2 Mrd. Euro (2008). Bereits Ende 2008 wirkte sich die globale Finanzkrise negativ auf die Umsätze der Restaurateure aus.

Der Marktforscher PMR, der eine andere Berechnungsgrundlage hat als Euromonitor, schätzt den Wert des Gastronomiemarktes 2008 auf 19,4 Mrd. Zl (rund 5,5 Mrd. Euro, 1 Euro=3,51 Zl; Durchschnittskurs 2008). Eine ähnliche Angabe macht auch das Statistische Hauptamt GUS, wonach dieser Markt seit 2000 von 15,4 Mrd. Zl bis 2008 auf 20,8 Mrd. Zl wuchs. Die Einnahmen des polnischen Gastronomiesektors sanken demnach real um etwa 2,4% gegenüber 2007 (nominal +3,6%). Fast zwei Drittel dieses Betrages (64,0%) wurde mit gastronomischer Zubereitung erwirtschaftet, deren Gewicht weiter zunahm.

GUS untersucht sämtliche Gastronomiebetriebe (ständige und saisonale), deren Zahl 2008 um 6,7% auf gut 81.000 fiel (2007: -1,5%). Fast alle gastronomischen Einrichtungen (97,7%) befinden sich in privater Hand (79.268). Unter den Kantinen gab es allerdings noch 961 öffentlich betriebene.

Zahl der Gastronomiestellen Ende 2008

Art der Gastronomiestellen Zahl Veränderung zu Ende 2007 in %
Restaurants 13.731 +13,3
Bars 33.151 -10,3
Kantinen 5.207 -15,0
Gastronomiepunkte 29.042 -8,6
Insgesamt 81.131 -6,7

Quelle: Hauptamt für Statistik GUS, Binnenmarkt 2008
Die zur deutschen Metro-Gruppe gehörende Kette Makro Cash&Carry will nun auch den Gastronomiesektor direkt beliefern. Dabei beginnt sie mit dieser neuen Tätigkeit in Warschau, um dann im Laufe von 2010 das ganze Land abzudecken, wie der Vorsitzende der polnischen Tochtergesellschaft Uwe Hoelzer gegenüber der Tageszeitung Puls Biznesu sagte. Bislang ist die Firma Farutex Marktführer bei der Belieferung des Gastronomiesektors.

Die Zahl der ausländischen Touristen, die mindestens einmal übernachteten, war stark rückläufig. In den ersten acht Monaten 2009 besuchten laut GUS nur noch 2,6 Mio. Personen Polen nach noch 7,1 Mio. von Januar bis August 2008. Für die in Polen 2012 geplante Fußball-Europameisterschaft werden 0,6 Mio. ausländische Fans erwartet.

Die Fast Food Kette Green Way will weitere vegetarische Schnell-Restaurants eröffnen. Die bereits 30 Lokale betreibende Gesellschaft plant für 2010 den Gang an die Warschauer Börse. Die Speisewagengesellschaft Wars, an der der Fiskus noch 42,5% der Aktien hält, soll vollständig privatisiert werden, wobei der Belegschaft 15% der Aktien zustehen. Interesse an den übrigen Aktien hat die Gesellschaft PKP InterCity signalisiert, der bereits ein Paket von 57,5% gehört.

AmRest, der Betreiber der Ketten KFC, Pizza Hut, Burger King und anderer will weiter in Mittel- und Osteuropa expandieren und erwägt dabei ebenfalls Übernahmen. Die Gesamtzahl der Lokale soll sich 2009 um 50 auf 470 erhöhen; Mitte des Jahres betrieb AmRest 433 Restaurants. Die Einnahmen von AmRest sollen laut dem Vorstandsmitglied Wojciech Mroczynski 2009 über 2 Mrd. Zl betragen (2008: 1,43 Mrd. Zl mit einem Nettogewinn von 20,8 Mio. Zl). Bereits im 1. Halbjahr überstiegen sie 1 Mrd. Zl und waren somit trotz der schwachen Konjunktur doppelt so hoch wie im 1. Halbjahr 2008.

In Schwierigkeiten ist die Firma PolRest aus Krakow (Krakau), die im 1. Halbjahr 2009 einen Nettoverlust von 5,7 Mio. Zl verzeichnete bei Einnahmen von 20,3 Mio. Zl. Die Deutsche Bank kündigte dem Betreiber der preisgünstigen Restaurant-Ketten Invito und Rooster eine Kreditvereinbarung vom November 2006 in Höhe von 1,8 Mio. Zl. Unrentabel sind alle Invito- und einige Rooster-Restaurants. Im Juli 2009 hatte PolRest seine fünf teureren Restaurants des gehobenen Segmentes verkauft.

PolRest ist ebenso wie ihre Konkurrenten AmRest, Sfinks und die Grupa Kosciuszko an der Warschauer Börse notiert. Probleme hat auch der Restaurant-Betreiber Sfinks aus Lodz (Lodsch), der allerdings mit den Banken eine Schuldenregelung treffen konnte.

Sfinks gehören die Ketten der Restaurants mit der Bezeichnung „Sphinx“ (96 Lokale im September 2009), in denen Speisen des mittleren Preissegmentes von Kellnern serviert werden, sowie „Chlopskie Jadlo“ (10) und „Wook“ (5). Im Oktober 2009 unterzeichnete die Firma einen vorläufigen Vertrag über den Kauf der aus 180 Restaurants bestehenden Kette Da Grasso, die das größte Franchising-Netz von Pizzerien in Polen betreibt. Die Transaktion soll maximal 40 Mio. Zl kosten, wovon zunächst 20 Mio. Zl zu entrichten sind und der Rest bis 2014, wobei der genaue Betrag abhängig von der Geschäftsentwicklung sein wird. Finanzieren will Sfinks diese Transaktion mit einer Aktienemission noch vor Jahresfrist, mit der 72 Mio. Zl generiert werden sollen.

Sfinks würde damit zur größten Restaurant-Kette Polens, zu der bereits 112 Lokale gehören. Zusammen mit den Pizzerien von Da Grasso wären es 292 Restaurants. Damit würde McDonald´s mit seinen 227 Lokalen auf den zweiten Platz und AmRest (185) auf den dritten verwiesen. Sfinks nahm in den ersten drei Quartalen 2009 rund 136,2 Mio. Zl ein (-15% gegenüber Januar bis September 2008) mit einem Verlust von 32,3 (-0,9) Mio. Zl.

Bis März 2009 war AmRest an Sfinks zu einem Drittel beteiligt, als die Gesellschaft OrsNet des inzwischen Sfinks-Vorsitzenden Sylwester Cacek diese Anteile aufkaufte. Cacek gewährte Sfinks außerdem einen Kredit von 30 Mio. Zl und rettete das Unternehmen so vor dem drohenden Bankrott. Falls notwendig würde er auch die neu emittierten Aktien kaufen.

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