Coffee-Shops endgültig vor dem Durchbruch

Januar 29, 2008

Quelle: dpa

Latte Macchiato, Cappuccino und Espresso stehen bei vielen Kaffeetrinkern längst höher im Kurs als der gute alte Bohnenkaffee. Nun steht auch das gastronomische Konzept des Coffee-Shops vor seinem Durchbruch, wo die italienischen Kaffee- Spezialitäten bevorzugt serviert werden. Seitdem die Schnellrestaurantkette McDonald’s in den Markt eingestiegen ist, hat sich der Wettbewerb deutlich belebt und eine neue Dynamik hat die Branche erfasst. Der Deutsche Kaffee-Verband schätzt, dass gegenwärtig rund 1500 Coffee-Shops in Deutschland Kaffee- Spezialitäten nebst Kuchen und Gebäck anbieten. Das sind nicht eben viele; eine Stadt wie London kommt locker auf das Doppelte. Doch der qualitative Sprung aus den Innenstädten und schicken Großstadt- Vierteln in eine flächendeckende Präsenz steht bei den Coffee-Shops kurz bevor.

McDonald’s als mit Abstand größte Gastro-Kette in Deutschland hat die Coffee-Shops nicht nur als renditeträchtige Einnahmequelle entdeckt, sondern zusätzlich als eine Brücke zu neuen Zielgruppen. «Da können sich zum Beispiel die Großeltern mit ihren Enkeln treffen; die Erwachsenen bestellen eine Kaffee-Spezialität und die Kinder ein Happy Meal», sagt eine Unternehmenssprecherin in München. Gegenwärtig gibt es 400 McCafés in Deutschland, zum Ende des Jahres sollen es 500 sein. Ungefähr jedes dritte der Restaurants hat damit seinen eigenen Coffee-Shop. «Wir haben den Vorteil, dass die Standorte schon vorhanden sind und wir neben dem Kaffee das komplette McDonald’s-Menü anbieten können.»

Damit schließt McDonald’s auf zum Branchenprimus Tchibo, der ebenfalls rund 500 Coffee-Shops betreibt. Das Handels- und Kaffeeunternehmen hat ungewohnt rückläufige Umsatz- und Gewinnzahlen präsentieren müssen und will nun wieder richtig Gas geben und seine Filialen mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe aufwerten. «Bei uns bleibt es bei dem Dreiklang aus Kaffee-Ausschank, Kaffee- Verkauf und Gebrauchsartikeln», sagt eine Sprecherin. Künftig soll es im Tagesverlauf wechselnde Snacks geben, also ein völlig anderes Konzept als bei McDonald’s. Zum Wettbewerb mit der US-Kette mag sich Tchibo nicht näher äußern. «Uns geht es nicht darum, die meisten oder die größten Filialen zu haben.»

Mit einigem Abstand als Dritter folgt im Markt das Unternehmen Starbucks, das in den USA an jeder Straßenecke vertreten ist, sich in Deutschland jedoch zunächst einmal schwertut. Mit zur Zeit 113 Filialen kann Starbucks in Deutschland nicht zufrieden sein und setzt auf weitere Expansion. Dahinter folgen noch eine Reihe weiterer Ketten mit meist nur regionalem Charakter wie Balzac, Einstein, World Coffee oder Coffee Fellows und einer jeweils zweistelligen Zahl von Filialen. Und «Coffee to go», ein vor zehn Jahren noch völlig unbekannter Begriff, ist mittlerweile bei jedem Bäcker zu haben.

Damit wird der Wettbewerb härter, doch der Markt wächst noch. Die Kaffeewirtschaft erwartet für die nächsten Jahre im Außer-Haus- Bereich kräftige Zuwachsraten. Schon in den vergangenen Jahren stieg der Anteil dieses Segments am gesamten Kaffeemarkt von 20 auf 30 Prozent, doch das Potenzial scheint noch längst nicht ausgeschöpft. «In Portugal werden 80 Prozent des Kaffees außer Haus konsumiert», sagt Geschäftsführer Holger Preibisch vom Kaffee-Verband. «In Deutschland gibt es keine Gastronomie-Branche, die so schnell wächst.»

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